Nur ein Bruchteil der Menschen, die vorbeugend lebensrettende Medikamente gegen Tuberkulose brauchen, bekämen solche. Die Organisation erinnert an den Tuberkulosegipfel 2018, bei dem die Regierungen der Welt versprochen hätten, bis 2022 mindestens 30 Millionen Menschen, darunter vier Millionen Kinder, vorbeugend zu behandeln, weil ihnen eine Ansteckung droht.  

Nach WHO-Angaben sind 2018 nur 430 000 Kontaktpersonen von TB-Kranken und 1,8 Millionen mit dem Aids-Erreger HIV Infizierte vorbeugend behandelt worden. Pro Tag sterben mehr als 4000 Menschen weltweit durch die gefährliche Infektionskrankheit, und fast 30 000 erkranken. Alle Zahlen beziehen sich auf 2018. 

Ein Viertel der Weltbevölkerung – fast zwei Milliarden Menschen – trage das Virus in sich, das die Lunge und andere Organe befallen kann, so die WHO. Viele seien aber gesund und steckten andere nicht an. Bei einer Schwächung des Immunsystems liefen sie aber Gefahr, krank zu werden. Zudem sei die Krankheit bei einer halben Million Menschen gegen die gängigen Medikamente resistent gewesen.

Trotz der Krise durch das neue Coronavirus Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, müsse die Welt weiter alles daransetzen, Krankheiten wie Tuberkulose zu besiegen, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Millionen Menschen müssen in der Lage sein, vorbeugende Medikamente zu bekommen, um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern, Leiden abzuwenden und Leben zu retten.“  

Die WHO fordert eine konsequentere Behandlung der Risikogruppen. Dazu zählen Angehörige von TB-Patienten, Menschen mit HIV und mit angegriffenem Immunsystem sowie solche, die mit vielen anderen Menschen in engen Verhältnissen zusammenleben. 

Wie Matteo Zignol, Chef des TB-Präventionsprogramms bei der WHO, sagte, kostet die Behandlung in ärmeren Ländern zwischen fünf und 15 Dollar (bis 14 Euro). Für TB-Patienten sei eine Ansteckung mit dem neuen Virus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, besonders gefährlich.

Laut der Chefin des TB-Programms bei der WHO, Tereza Kasaeva, bringe jeder Dollar, der in die Tuberkulosebekämpfung investiert werde, 43 Dollar Ertrag – etwa durch eingesparte Gesundheitskosten oder die Produktivität derjenigen, die gesund blieben oder würden.  

Im vorigen Jahr wurden nach WHO-Angaben nur zwei Drittel der nötigen Summe von 10,1 Milliarden Dollar für Diagnose und Behandlung aufgewendet. Für die Forschung sei weniger als die Hälfte der nötigen zwei Milliarden Dollar zusammengekommen.
ls/mt/dpa

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