Ein „abruptes Ende der Wirecard-Dienste“ habe in Singapur „Einzelhändler, Restaurant und Hotels unvorbereitet getroffen“, berichtete das „Handelsblatt“ Mitte der Woche.

„Der Zusammenbruch von Wirecard hat in dem südostasiatischen Stadtstaat Singapur Chaos beim bargeldlosen Bezahlen ausgelöst. Mehrere Konzerne und Einzelhändler, die bis vor Kurzem Kunden bei dem Zahlungsdienstleister waren, wurden von dem plötzlichen Stopp der Wirecard-Dienste in der Metropole unvorbereitet getroffen. Sie können nun keine Kreditkartenzahlungen mehr annehmen und bekommen auch bei der Abrechnung laufender Verträge massive Probleme.“

Deutschland: Experten geben Entwarnung

Solche negativen Auswirkungen können nach Angaben von Branchenkennern in Deutschland ausgeschlossen werden.

Wie ein wissenschaftlicher, sogenannter Handelsforscher bereits Ende Juni gegenüber Medien erläuterte,

würde „eine Einstellung des Betriebs von Wirecard den deutschen Einzelhandel wohl nicht in größerem Ausmaß treffen.“ Laut Wirtschaftsinstituten habe „das unter Regie des vorläufigen Insolvenzverwalters stehende Unternehmen (…) nur einen relativ geringen Marktanteil bei Kreditkartenzahlungen. Für die Girocard als meist genutztes bargeldloses Zahlungsmittel habe Wirecard keine Netzbetreiber-Lizenz“.

Singapur: „Kartenzahlungen schlagen fehl“

In Südostasien ist die Situation momentan anders gelagert: „Singapur war Wirecards langjährige Schaltzentrale im Asiengeschäft, das im Mittelpunkt des milliardenschweren Bilanzskandals steht“, so das bereits zitierte Wirtschaftsblatt weiter.

„Tausende Betriebe hatten in Singapur laut lokalen Medien die Bezahlterminals von Wirecard genutzt, die nun nicht mehr funktionieren. Zu dem Bezahlchaos kam es, nachdem die örtliche Finanzaufsicht ‚MAS‘ Wirecard angeordnet hatte, seine Dienste in Singapur einzustellen und alle Kundengelder zurückzuzahlen. (…) Doch bereits seit Tagen können Wirecard-Kunden nicht mehr auf die Dienste des Konzerns zurückgreifen.“

Die Ausfälle der digitalen Bezahl-Infrastruktur „waren in den vergangenen Tagen an fast jeder Ecke der Metropole zu spüren: In Suppenküchen, bei Tierärzten und Fünf-Sterne-Hotels bekamen die Menschen in Singapur zu hören, dass Kartenzahlungen wegen der Vorfälle bei Wirecard gerade nicht möglich seien.“ Bei Einzelhändlern in Singapur „war Wirecard vor allem deshalb beliebt, weil das Unternehmen extrem günstige Konditionen anbot.“

„Zahlungsabwickler kalt erwischt“

Das „Bezahlen in Shops oder die Begleichung der lokalen Mobilfunkrechnung ist abrupt zum Erliegen gekommen“, ergänzt eine aktuelle Meldung vom Finanz-Fachmagazin „Der Aktionär“. „Kundenvorgänge und das Clearing über eine Bank schlagen neuerdings fehl.“

Während „hierzulande kaum jemand die Folgen der Wirecard-Pleite spürt, ist in Singapur ein regelrechtes Chaos ausgebrochen“, berichtete Journalist Gabor Steingart vor wenigen Tagen.

„Dort können viele Restaurants, Hotels und Einzelhändler keine Kreditkartenzahlungen mehr annehmen und haben auch bei der Abrechnung laufender Verträge Schwierigkeiten. Das Ende des digitalen Zahlungsabwicklers hat sie offenbar kalt erwischt.“

Demnach meldeten Singapurs drittgrößter Mobilfunkanbieter „M1“ sowie die Kaffeehaus-Kette „Starbucks“ Probleme beim bargeldlosen Bezahlen. „Auch Kundenkarten konnten nicht mehr mit Guthaben aufgeladen werden.“

„Wirecard“-Treuhänder in Singapur vor Gericht

Erst Ende September hatte Singapurs zuständige Finanzaufsicht „MAS“ Medien zufolge die betroffenen Unternehmen und Firmen „unmissverständlich aufgefordert“, das Ende der eigenen Geschäftsbeziehungen mit Wirecard vorzubereiten.

Die Asien-Zentrale des skandalträchtigen Unternehmens in Singapur stehe demnach bereits seit Anfang 2020 im Zentrum von Ermittlungen, um mutmaßlich kriminelle Machenschaften in dem Konzern aufzudecken. „Ein früherer Treuhänder von Wirecard steht in dem Stadtstaat derzeit vor Gericht“, so das „Handelsblatt“ abschließend.

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