Russland und Saudi-Arabien werden sich in den allernächsten Tagen auf eine Kürzung der Ölfördermengen einigen, verkündete Präsident Trump: „Ich denke, sie lösen das in einigen kommenden Tagen. Beide Seiten wissen, was sie tun müssen. Weil das, was mit den Ölpreisen passiert, sehr schlecht ist für Russland und für Saudi-Arabien. Sie werden sich einigen“, sagte er vor US-Journalisten.

Washington sei bereit, wenn nötig, sich den Verhandlungen anzuschließen, fügte Trump noch hinzu.

„Wir alle haben vor, uns zu treffen. Wir müssen einschätzen, was wir tun können. Weil niemand seine Industrie verlieren will. Das sind Tausende und Abertausende Arbeitsplätze.“

Der Ölmarkt hat auf diese Erklärung unverzüglich reagiert: Am Donnerstagmorgen gingen Brent-Futures für Juni um 12,5 Prozent auf 27,83 Dollar hoch, die auf Mai terminierten WTI-Kontrakte stiegen um 10,5 Prozent auf 22,44 Dollar.

Die meisten Experten halten Trumps Auftritt indes für nichts weiter als eine verbale Einmischung zur Stützung der Ölpreise. Und sie haben mit ihrer Einschätzung recht: Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, teilte mit, es fänden keinerlei Beratungen mit Saudi-Arabien statt und es seien auch keine Treffen auf der Führungsebene der Länder geplant. „Auf etwaige konkrete oder erst recht abstrakte Deals als Ersatz für OPEC+ hat bisher niemand die Rede gebracht“, sagte er.

Unterdessen hat Saudi-Arabien am 1. April seine eigene Höchstleistung in der Ölförderung übertroffen: Das Land pumpte an einem Tag zwölf Millionen Barrel Rohöl aus dem Boden. „Ein klares Signal, dass die Saudis im Preiskrieg nicht nachgeben wollen“, sagen Analysten von der ING Bank.

Das Problem ist, dass Verhandlungen zwischen Riad und Moskau keinen Sinn haben. Alles, was die Saudis anbieten können, ist eine erneute Förderkürzung. Für Russland bedeutet dies nur, weitere Marktanteile aufzugeben. Weshalb Moskau ein anderes Ziel verfolgt: US-Fracking-Firmen vom Markt verdrängen. Oder anders formuliert: „Sobald die Fracker weg sind vom Markt, stabilisieren sich die Preise wieder bei 60 Dollar je Barrel“, sagte Igor Setschin, Chef von Rosneft, kürzlich.

Mit Nord Stream 2 ginge es auch für die Fracker weiter

Sich mit Moskau auf das Ende des Preiskriegs zu einigen, ist nicht die Sache von Riad, sondern die von Washington. Was das Weiße Haus selbst weiß. Am Montag hatten Trump und Putin auf US-Initiative miteinander telefoniert, im Anschluss daran nahmen die Energieminister Russlands und der USA Beratungsgespräche über die Lage am Ölmarkt auf.

Wladimir Putin wiederrum erklärte bei einer Videoschalte mit dem Regierungskabinett am Mittwoch, der Ölpreisverfall sei „für alle beunruhigend“ und „Russland muss gemeinsam mit den größten Ölproduzenten und -verbrauchern Lösungen ausarbeiten, die die Lage am (Öl-)Markt dämpfen werden.“ Heißt: Moskau ist für Gespräche offen. Die wichtigste Frage ist aber bisher ungeklärt: Was bietet Washington Moskau im Gegenzug für die Rettung der Fracking-Industrie?

Währenddessen läuft die Krise der Fracker schon an. Am Mittwoch hat Whiting Petroleum die Insolvenz angemeldet: Einer der größten Ölförderer, der in North Dakota auf dem reichsten amerikanischen Schieferölvorkommen tätig war. 2,2 Milliarden Dollar schuldet Whiting Petroleum ihren Gläubigern. Diese sollen 97 Prozent der Unternehmensaktien als Gegenwert erhalten, doch die Anteilsscheine haben in den vergangenen drei Monaten elffach an Wert verloren.

Unter diesen Umständen sind von den Amerikanern weitreichende Zugeständnisse zu erwarten. Zum Beispiel, die Abschaffung der Sanktionen gegen die am Bau der Gasleitung Nord Stream 2 beteiligten Spezialschiffe. Ende letzten Jahres sind die einschneidenden Einschränkungen für eine Laufzeit von fünf Jahren verhängt worden, doch der US-Präsident ist befugt, sie jederzeit aufzuheben, sofern die Energiesicherheit Europas dadurch nicht gefährdet ist.

Da Russland einen neuen Transitvertrag mit der Ukraine geschlossen hat und die Nachfrage nach Gas in Europa das Angebot bei weitem übersteigt, hätte Trump Gründe genug, um das Sanktionsgesetzt einzustreichen. Russlands Zustimmung zu Ölförderkürzungen und mithin zur Rettung der amerikanischen Fracking-Industrie wäre ein vernünftiger Preis für die Fertigstellung von Nord Stream 2.

Trumps Geheimwaffe

Als er das Ende des Preiskriegs verkündete, sagte Trump: Sollten Russland und Saudi-Arabien sich nicht einigen, werde Washington eigene Mittel einsetzen, um die Marktlage zu ändern. Ein Importzoll auf Rohöl werde in den USA schon geprüft, schreibt Marktanalyst Lourcey Sams für das Fachportal „Oilprice“:

„Der US-Präsident ist berechtigt, nach eigenem Ermessen und ohne Rücksprachen einen Zoll auf die Einfuhr von Rohöl und Ölprodukten festzusetzen.“

Das heißt, Washington würde einen Grundpreis auf Rohöl bei 50 Dollar festsetzen – ab diesem Preislevel sind die Fracking-Firmen wirtschaftlich in Sicherheit. Fällt der Marktpreis darunter, wird die Differenz zum Grundpreis durch den Zoll ausgeglichen. Bei heutigem Preisstand von 26,8 Dollar je Barrel Brent wären 23,2 Dollar je Barrel als Zoll zu bezahlen.

„Für Trump ist das der billigste Weg, die Fracking-Industrie zu retten“, schreibt Experte Sams. Und: „Die Ölproduzenten im Rest der Welt wären dann allesamt gezwungen, ihre Preise bei 50 Dollar anzusetzen – der Markt wäre stabilisiert, der Preiskrieg vorbei.“

* Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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