Eine Installation der chinesischen Flagge auf einer Straße in Shanghai, China.

Die Staatsverschuldung Chinas soll in einen weiteren Benchmark-Anleihenindex, den World Government Bond Index (WGBI), aufgenommen werden, wodurch ausländische Investitionen im Wert von 100 bis 150 Milliarden US-Dollar auf dem zweitgrößten Anleihemarkt der Welt getätigt werden könnten.

Nach einer bahnbrechenden Entscheidung, die am Donnerstag bekanntgegeben wurde, teilte der britische Indexanbieter FTSE Russell mit, dass chinesische Staatsanleihen ab Oktober nächsten Jahres in den Schlüsselindex aufgenommen werden, der hauptsächlich entwickelte Volkswirtschaften umfasst. Die Aufnahme von rund 1,5 Billionen US-Dollar aus dem 16 Billionen US-Dollar umfassenden chinesischen Anleihemarkt soll im März 2021 jedoch noch zusätzlich bestätigt werden. In einer Erklärung von FTSE Russell heißt es:

Seitdem sie auf die Beobachtungsliste gesetzt wurden, verbesserten die chinesischen Behörden die Infrastruktur des Anleihenmarktes erheblich, was internationalen Anlegern die Teilnahme erleichterte.

Das Unternehmen fügte hinzu, dass zu den Entwicklungen die Verbesserung der Liquidität von Anleihen auf dem Sekundärmarkt, die Verbesserung der Struktur des Devisenmarktes und die Entwicklung globaler Abrechnungs- und Verwahrungsprozesse gehören.

Chinesische Staatsanleihen wurden bereits früher in die JPMorgan- und Bloomberg-Barclays-Indexsuiten aufgenommen, und der Beitritt zum World Government Bond Index (WGBI) wird einen weiteren Meilenstein für den sich rasch entwickelnden chinesischen Anleihemarkt darstellen, insbesondere in Zeiten, in denen die Anleger nach höheren Renditen streben.

China verfügt über den zweitgrößten Anleihemarkt der Welt, doch hielten internationale Anleger Ende August nur 2,8 Billionen Yuan (410,69 Milliarden US-Dollar) an chinesischen Anleihen, was weniger als drei Prozent des gesamten Marktes ausmacht.

Einige Analysten sagen voraus, dass das Debüt auf dem Index mindestens 100 Milliarden US-Dollar in die chinesische Wirtschaft bringen könnte, während andere der Meinung sind, dass der Zufluss 40 Prozent oder sogar 50 Prozent größer sein könnte. Laut Jason Pang, Portfoliomanager für festverzinsliche Wertpapiere bei JPMorgan Asset Management, könnte China als Folge der Entscheidung rund 140 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Zuflüssen in seine Schulden erhalten. Die HSBC schätzt ihrerseits, dass die nach China kommenden Mittel 150 Milliarden US-Dollar übersteigen könnten. Candy Ho, die Chefin der RMB-Geschäftsentwicklungsabteilung in der Global Markets Unit von HSBC, sagte laut der South China Morning Post:

Ausländische Investoren haben in diesem Jahr mehr chinesische Anleihen gekauft, die angesichts des globalen Nullzinsumfelds, der anhaltenden Diversifizierung der globalen Reserven und der Zuflüsse als Ergebnis der beiden vorherigen Aufnahmen in Anleihenindexe eine angemessene Rendite abwerfen.

Die Aufnahme in den FTSE WGBI-Index wird die Teilnahme globaler Investoren weiter beschleunigen.

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